Was ist HLG? Hybrid Log-Gamma – das HDR-Format fürs Fernsehen erklärt

HLG (Hybrid Log-Gamma) ist ein HDR-Format, das speziell für Fernsehübertragungen und Live-TV entwickelt wurde. Sein Trick: Ein einziges Signal sieht auf alten SDR-Fernsehern normal aus und auf HDR-Geräten in voller High-Dynamic-Range-Qualität – ganz ohne Metadaten. Entwickelt wurde es von der britischen BBC und der japanischen NHK. Für dich als Käufer ist die wichtigste Nachricht vorweg: HLG steckt längst in praktisch jedem HDR-Fernseher und ist kein Kaufkriterium.

HLG erklärt: ein einziges Signal versorgt SDR- und HDR-Fernseher gleichzeitig

Was ist HLG (Hybrid Log-Gamma)?

High Dynamic Range (HDR) sorgt für hellere Lichter, tiefere Schatten und mehr Bilddetails. Die bekanntesten HDR-Formate – HDR10, Dolby Vision, HDR10+ – sind aber für Streaming und Blu-ray gemacht. Beim klassischen Fernsehen, vor allem bei Live-Übertragungen, passten sie schlecht: Sender hätten jeden Kanal doppelt ausstrahlen müssen, einmal in SDR (Standard Dynamic Range) für ältere Geräte und einmal in HDR. Das kostet wertvolle Bandbreite.

Genau dieses Problem löst HLG. Es kombiniert SDR und HDR in einem Signal. Ein alter Fernseher zeigt das Bild als normales SDR mit leicht erhöhtem Kontrast; ein HDR-fähiger Fernseher erkennt den HDR-Anteil und rechnet daraus das volle Bild. Niemand bleibt im Dunkeln, egal welches Gerät vor ihm steht.

HLG ist ein offener, lizenzfreier Standard – festgehalten in der Norm ITU-R BT.2100. Für Hersteller und Sender bedeutet das: keine Lizenzgebühren, kein zusätzlicher Aufwand. Mehr zu HDR allgemein liest du in Was ist HDR?.

Wie funktioniert HLG technisch?

Der Name verrät das Prinzip. Eine sogenannte Übertragungskurve beschreibt, wie Signalwerte in Helligkeit übersetzt werden. HLG verwendet im unteren Helligkeitsbereich eine klassische Gamma-Kurve – dieselbe, die SDR-Fernseher seit Jahrzehnten nutzen. Im oberen Bereich, also bei den hellen Bildspitzen, wechselt es auf eine logarithmische Kurve, die deutlich mehr Helligkeitsabstufungen unterbringt. Aus dieser Mischung – „hybrid“ aus „Log“ und „Gamma“ – entsteht der Name.

Der entscheidende Unterschied zu den anderen HDR-Formaten: HLG kommt ohne Metadaten aus. HDR10 schickt einmal pro Film feste Helligkeitsinfos mit (statische Metadaten), Dolby Vision und HDR10+ sogar Szene für Szene (dynamische Metadaten). HLG braucht das nicht – die Information steckt direkt in der Kurve. Das macht es robust für Live-Betrieb, wo keine Zeit bleibt, einen ganzen Film vorab zu analysieren.

Diagramm der HLG-Kurve: unten Gamma wie bei SDR, oben logarithmisch für helle Bildbereiche

HLG vs. HDR10 vs. Dolby Vision – die Unterschiede

Alle drei wollen dasselbe: ein kontrastreicheres, helleres Bild. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wo sie zum Einsatz kommen und wie sie ihre Helligkeitsinfos transportieren.

MerkmalHLGHDR10Dolby Vision
Metadatenkeinestatischdynamisch (Szene für Szene)
HauptanwendungFernsehen/Live-TV, YouTubeBlu-ray, Streaming (Basis)Streaming & Blu-ray (Premium)
Abwärtskompatibel zu SDRja, im selben Signalneinnein
Lizenzkostenkeine (offener Standard)keinelizenzpflichtig
Verbreitung auf TVssehr hochsehr hochhoch

Wie sich die metadatenbasierten Formate untereinander schlagen, vertiefen wir in Dolby Vision vs. HDR10+.

Welche Geräte unterstützen HLG?

Praktisch alle: Sony, LG, Panasonic, Samsung und die übrigen großen Hersteller unterstützen HLG seit etwa 2017 flächendeckend. Wenn dein Fernseher „HDR“ kann, kann er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch HLG. Ein eigenes „HLG-Logo“ musst du beim Kauf nicht suchen.

Interessanter ist die Frage, wo du HLG im Alltag überhaupt antriffst – und da klafft eine Lücke zwischen Theorie und Praxis:

  • YouTube HDR: Viele HDR-Videos auf YouTube werden in HLG ausgeliefert. Das ist heute die häufigste Quelle für den Normalnutzer.
  • Kameras und Smartphones: Etliche Geräte nehmen HDR-Video im HLG-Format auf. Spielst du eigene Aufnahmen auf einem HDR-TV ab, ist oft HLG im Spiel.
  • Lineares Fernsehen: Hier wird HLG seit Jahren als „Zukunft des Live-TV“ gehandelt – tatsächlich gibt es in Deutschland bislang nur vereinzelt UHD-HDR-Sender, meist rund um Sport-Großereignisse oder als Demokanäle. Die große flächendeckende HLG-Ausstrahlung lässt weiter auf sich warten.

Lohnt sich HLG für dich?

Die ehrliche Antwort: Du musst dich darum gar nicht kümmern. HLG ist kein Format, für das man gezielt einen Fernseher aussucht – es ist ohnehin an Bord. Es entstehen dir keine Lizenzkosten, kein Abo, kein Zusatzgerät.

Relevant wird HLG für dich vor allem in zwei Fällen: wenn du HDR-Inhalte auf YouTube schaust oder eigene HDR-Videos abspielst. Dann profitierst du automatisch vom besseren Kontrast – vorausgesetzt, dein Fernseher bringt genug Helligkeit mit, damit HDR überhaupt sichtbar wird (mehr dazu unter Was sind Nits?). Wer auf ein UHD-HDR-Fernseherlebnis im klassischen TV hofft, sollte die Erwartungen dagegen niedrig halten: Das Angebot ist in Deutschland noch sehr dünn.

Häufige Fragen zu HLG (FAQ)

Was ist besser: HLG oder HDR10?

Keines ist pauschal besser – sie sind für unterschiedliche Zwecke gemacht. HLG punktet im Rundfunk und bei Live-Inhalten durch SDR-Abwärtskompatibilität ohne Metadaten, HDR10 ist der Standard für Blu-ray und Streaming.

Wo wird HLG eingesetzt?

Vor allem bei TV-Übertragungen und Live-Events sowie bei HDR-Videos auf YouTube. Auch viele Kameras und Smartphones zeichnen HDR-Material im HLG-Format auf.

Welche Fernseher unterstützen HLG?

Nahezu alle HDR-Fernseher seit rund 2017 von Sony, LG, Panasonic, Samsung und anderen. Wenn ein Gerät HDR beherrscht, unterstützt es in aller Regel auch HLG.

Warum braucht HLG keine Metadaten?

Weil die Helligkeitsinformation direkt in der Übertragungskurve steckt. Das Bild passt sich automatisch an das Anzeigegerät an, ohne dass separate Zusatzdaten mitgesendet werden müssen.

Wann sehe ich überhaupt HLG-Inhalte?

Am ehesten bei HDR-Videos auf YouTube oder beim Abspielen eigener HDR-Aufnahmen. Im klassischen deutschen Fernsehen ist HLG bisher nur selten und meist bei besonderen Anlässen anzutreffen.

Weiterführende Artikel

Quellen:

What Hi-Fi – Hybrid Log Gamma erklärt, ITU-R BT.2100 (Standard, definiert HLG und PQ). HLG wurde von BBC und NHK entwickelt und ist als offener Standard lizenzfrei. Geräte-Unterstützung ist modellabhängig – im Zweifel das Datenblatt prüfen (Herstellerangabe).


Michael Giglhuber

Über den Autor

Michael Giglhuber

Michael Giglhuber ist Gründer und Redakteur von 4k-fernseher.com. Seit 2021 beschäftigt er sich intensiv mit 4K-Fernsehern, Display-Technologien und Heimkino-Setups. Sein Anspruch: Technik so erklären, dass am Ende jeder den passenden Fernseher findet – ohne Marketing-Sprech und ohne Fachchinesisch.

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